Wer entscheidet wessen Leben zählt?

Manchmal führen uns die richtigen Fragen an gefährliche Orte.

Und genau dort müssen wir stehen bleiben – nicht ausweichen.

Die Debatte rund um die DLRG hat etwas in mir berührt, das schon lange da ist:

Was passiert, wenn Menschen, die Leben retten sollen, anfangen, Leben zu sortieren?

Nicht theoretisch. Nicht abstrakt. Ganz real.

Wenn jemand fest daran glaubt, dass manche Menschen weniger wert sind.

Wenn jemand meint, es gäbe „die Richtigen“ und „die Anderen“.

Dann ist das kein harmloser Gedanke mehr – sondern ein Risiko. Besonders dort, wo Entscheidungen über Leben, Gesundheit und Würde getroffen werden.

Und ja: Der Impuls zu sagen „Dann prüfen wir halt die Parteizugehörigkeit“ ist verständlich.

Aber er ist auch gefährlich.

Denn Demokratie verteidigt man nicht, indem man anfängt, Gedanken zu kontrollieren. Das wäre der Moment, in dem wir genau das übernehmen, was wir bekämpfen wollen.

Im öffentlichen Dienst ist die Verpflichtung zur Verfassungstreue (Demokratische Grundordnung) längst Realität – zumindest auf dem Papier. Dort ist es gang und gäbe, dass genau hingeschaut werden sollte, auch wenn es in der Praxis nicht immer konsequent oder ausreichend geschieht. Diese Erwartung existiert also bereits. Sie ist nichts Neues, nichts Radikales, sondern Ausdruck dessen, dass bestimmte Aufgaben eine besondere Verantwortung tragen.

Die demokratische Grundordnung (oft als freiheitlich-demokratische Grundordnung, FDGO) bezeichnet, ist das Fundament der deutschen Verfassung und umfasst Kernprinzipien wie die Menschenwürde (Art. 1 GG), Volksouveränität durch freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und das Mehrparteienprinzip. Sie definiert die unveränderlichen Grundwerte des demokratischen Gemeinwesens und dient als Maßstab zur Abwehr verfassungsfeindlicher Bestrebungen, indem sie die Staatsgewalt an Recht und Gesetz bindet und die fundamentalen Freiheiten der Bürger schützt.

Der Punkt ist ein anderer – und er ist unbequemer: „Nicht Gesinnung ist das Problem. Handlung ist es.“

Wer im Rettungsdienst, in der Pflege, in der Medizin arbeitet, trägt Macht.

Und diese Macht endet dort, wo Menschenfeindlichkeit beginnt.

Rassistische Sprüche, selektive Empathie, zynische Abwertung von Patient:innen – das sind keine Meinungen mehr. Das ist Berufsversagen.

Und genau hier versagt unser System zu oft. Nicht, weil es keine Regeln gibt. Sondern weil wir wegsehen. Weil wir schweigen. Weil wir Kollegialität über Verantwortung stellen.

Ich will keine Gesinnungsprüfungen.

Ich will Null Toleranz, wenn Ideologie in Verhalten kippt.

Ich will Konsequenzen, wenn Menschenleben nicht mehr gleich zählen.

Ich will Schutz für diejenigen, die den Mund aufmachen.

Und ich will, dass „Berufsethos“ kein leeres Wort bleibt, sondern ein Maßstab.

Denn wer Leben rettet, muss jedes Leben meinen.

Alles andere ist keine Neutralität – sondern eine Gefahr.

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